Erbschaftsannahme und Ausschlagung im spanischen Recht

Grundlagen

Die Annahme und Ausschlagung der Erbschaft ist im Código Civil (CC) geregelt. Dessen Recht wird auch als das gemeinspanische Recht bezeichnet ("gemein" steht hier für "allgemein" gültig). Bestimmte autonome Gemeinschaften haben allerdings eigenes, historisch gewachsenes Zivilrecht - das sog. Foralrecht - welches in seinem Anwendungsbereich dem gemeinen Recht vorgeht. Betreffend die Annahme und Ausschlagung der Erbschaft sind dies

  • die Balearen (Islas Baleares), wobei Ibiza/Formentera und Mallorca und Menorca eigenes Recht haben;
  • Katalonien (Cataluña);
  • Galizien (Galicia);
  • Navarra (Comunidad Foral de Navarra);
  • Baskenland (País Vasco).

Welches Recht anzuwenden ist, bestimmt sich für Erbfälle ab dem 17.08.2015 in erster Linie nach der  Europäischen Erbrechtsverordnung. Zur Ermittlung des anwendbaren Erbrecht - unter Berücksichtigung des foralen Erbrechts - verweisen wir auf den Beitrag Spanisches Erbrecht oder deutsches Erbrecht – welches Recht ist bei einem Erbfall mit Bezügen zu Spanien

Annahme der Erbschaft

Die Annahme ist unwiderruflich. Sie  kann nur ange­fochten werden, wenn sie mit einem der Fehler behaftet sind, aufgrund dessen eine Einigung unwirksam wäre oder wenn ein un­bekanntes Testament auftaucht (Art. 996 CC-Spanien).

Die Erbschaftsannahme kann ausdrücklich oder stillschweigend erfolgen. Eine stillschweigende Annahme ist jede Handlung, die notwen­digerweise Annahmewillen voraussetzt, z.B. der Antrag auf Erteilung einer acta notariedad, oder zu deren Vor­nahme nur als Erbe ein Recht besteht., z.B. Klagen auf Herausgabe von Nachlassgegenständen oder die Geltendmachung von Forde­rungen des Erblassers.

Keine stillschweigende Annahme ist der Verkauf von Gegenständen durch die überlebende Ehefrau des Erblassers, wenn diese ihr als Zugewinn zustehen. Maßnahmen zur Erhaltung oder vorläufigen Verwaltung des Nachlasses beinhalten für sich allein keine stillschweigende Annahme der Erbschaft.

Die Erbschaft gilt als angenommen, wenn der Erbe sein Recht an einen Unbeteiligten, an alle Miterben oder an einen von ihnen verkauft, verschenkt oder abtritt (Art. 1000 Nr. 1 CC). 

Die Erbschaftsannahme gilt ferner als erfolgt, wenn der Erbe zugunsten eines oder mehrerer seiner Miter­ben auf sie entgeltlich oder unentgeltlich verzichtet (Art. 1000 Nr. 2 CC). 

Die Annahme der Erbschaft kann einfach oder unter Beschränkung der Erbenhaftung (siehe hierzu auch den Beitrag Erbenhaftung im spanischen Recht) auf den Nachlass erfolgen (Art. 998 CC). Bei Annahme unter Vorbehalt ist allerdings notarielle Beurkundung erforderlich. 

Hinweis: Nach deutschem Erbrecht ist eine notarielle Erbschaftsannahmeerklärung nicht erforderlich. Für die Berichtigung des Grundbuches in Spanien ist allerdings gemäß Art. 14 LH (Hypotheken-G. i.V.m.  Art. 76 f. RH (Hypotheken-Verordnung) die Vorlage der notariellen Erbschaftsannahmeerklärung erforderlich. Aber auch Kreditinstitute und andere Betroffene verlangen regelmäßig die Vorlage einer notariellen Erbschaftsannahmeerklärung. 

Ausschlagung der Erbschaft 

Die Ausschlagung der Erbschaft ist unwiderruflich und kann nur ange­fochten werden, wenn sie mit einem der Fehler behaftet sind, aufgrund dessen eine Einigung unwirksam wäre oder wenn ein un­bekanntes Testament auftaucht (Art. 996 CC).

Die Erbausschlagung hat durch öffentliche Urkunde zu erfolgen. Sie ist nicht mehr möglich, wenn die Erbschaft angenommen wurde. 

José Martínez Salinas
Letzte Aktualisierung: 09.05.2018


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