Erbschaftssteuer Kanaren (Teneriffa, Gran Canaria, Lanzarote, La Palma)

Als Experten für deutsch-spanische Erbfälle werden wir oft mit Erbfällen mit Bezügen zu den Kanaren (Teneriffa, Gran Canaria, Lanzarote, La Palma) befasst. Dabei werde ich immer wieder gefragt, welche besonderen Gesetze auf den Kanaren für die Besteuerung von Erbschaften gelten und ob diese auch für Deutsche mit Vermögen auf den Balearen gelten. Der Beitrag erläutert diese Fragen einleitend und gibt Hinweise auf aktuelle Rechtsentwicklungen.


Grundlagen

Die spanische Erbschaftssteuer ist im Ley 29/1987, de 18 de diciembre, del Impuesto sobre Sucesiones y Donaciones geregelt (nachfolgend auch "span. ErbStG") geregelt. Die autonomen Regionen Spaniens können aber zum Teil hiervon abweichende Regelungen treffen. Die Kanaren haben mit Ley 9/2006, de 11 de diciembre, Tributaria de la Comunidad Autónoma de Canarias, zuletzt geändert mit Gesetz 11/2015 von dieser Befugnis Gebrauch gemacht und besondere Regeln für den Bereich der Erbschaftsteuer eingeführt.

Ergänzend geltend die Regeln des Staates (siehe hierzu den Beitrag Spanische Erbschaftsteuer - Einführung). 

Anwendbarkeit des Rechts der Kanaren

Bis 2015 war das autonome Recht nur anwendbar, wenn ein "Anknüpfungspunkt" zu der autonomen Gemeinschaft bestand. Das war bei Deutschen oft nicht der Fall. Für Erbfälle nach dem 1.1.2015 kann der Erwerber das Recht der Kanaren in den meisten Fällen wählen.

Zur Vertiefung verweisen wir auf den Beitrag Spanische Erbschaftsteuer: Anwendbarkeit der besonderen Regeln der autonomen Gemeinschaften

Allgemeiner Freibetrag

Der Freibetrag ist abhängig vom Verwandtschaftsverhältnis: 

  • Kinder bis 21 Jahre zwischen 40.400,00 und 138.500 EUR (abhängig von Alter)
  • Kinder über 21 Jahre einen Freibetrag von 23.125,00 EUR
  • Andere Abkömmlinge (Enkel, Ur-Enkel): 18.500 EUR
  • Ehegatte: 40.400,00 EUR
  • Verwandte der Seitenlinie (Geschwister, Nichten/Neffen)  9.300,00 EUR
  • Andere: 0.

Eingetragene Lebenspartnerschaft

Ehegatten gleichgestellt sind eingetragene Lebenspartner (pareja de hecho)im Sinne des LEY 5/2003, de 6 de marzo, para la regulación de las parejas de hecho en la Comunidad Autónoma de Canarias.

Steuerbefreiung für das Familienheim

Die Hauptwohnsitz-Immobilie des Erblassers (vivienda habitual) ist zu 99 % ihres Wertes bis zu einem Höchstbetrag von € 200.000,00 von der Besteuerungsgrundlage (base imponible) abziehen. Voraussetzung ist:

  • Der Erwerber ist ein Verwandter der auf- oder absteigender Linie oder der Seitenlinie, der älter als 65 Jahre ist und mit dem Erblasser zwei Jahre zusammen gewohnt hat,
  • der Erwerber hält die Wohnung für mindestens 5 Jahre.

Abweichend von der Freistellung des Staates beträgt der Höchstbetrag also € 200.000,00 statt € 122.606,47 un die Haltefrist ist von 10 Jahren auf 5 Jahre verkürzt.  

Vorsicht: Die Regelung der Kanaren gilt für alle Miterben gemeinsam. Bei mehreren Erwerbern wird sie nur anteilig zum Erwerb gewährt. Daher kann es im Einzelfall sinnvoll sein, die Regelung des Staates zu beanspruchen. 

Abzug von der Steuerschuld in der Steuerklasse I und II

Der nach Art. 25 des Gesetzes 1/2009 gewährte Abzug von der Steuerschuld in Höhe von 99,9 % für Personen der Steuerklasse I und II wurde von 2012 bis 2015 nicht gewährt. Mit Gesetz 11/2015 vom 29. Dezember 2015 wurde der Abschlag nun wieder für 2016 eingeführt, siehe Artículo 24-ter.- Bonificación de la cuota por parentesco.


José Martínez Salinas
Ana Garcia Dorta
Axel Wiens
Letzte Aktualisierung: 11.02.2014


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